Das grüne Herz von Ponta Delgada - António-Borges-Garten
Mitten in Ponta Delgada auf der Insel São Miguel liegt der António-Borges-Garten (Jardim António Borges), eine der romantischsten und botanisch bedeutendsten Parkanlagen der Azoren. Vor mehr als 150 Jahren von António Borges da Câmara de Medeiros (1812–1879) angelegt, ist der malerische Stil bis heute vollständig erhalten. Besucher spazieren über Pfade aus rotem Vulkankies (Lapilli), vorbei an geheimnisvollen Lavagrotten, natürlich geschwungenen Teichen und einer üppigen, exotischen Flora. Seit 1957 befindet sich das Anwesen im Besitz der Gemeinde Ponta Delgada und dient Einheimischen wie Reisenden als wichtiger Rückzugsort und Orientierungspunkt.
Die Geschichte des Gartens
- 1858: Alles begann mit der Anlage des Lombinha-Gartens am oberen Ende der Straße Lombinha dos Cães auf dem Grundstück von António Borges.
- 1861–1869: Die Bepflanzung wird von José Bensaúde geleitet, der Setzlinge von führenden europäischen Baumschulen bezog – darunter Jacob Makoy aus Lüttich, Ambroise Verschaffelt aus Gent, Jean Jules Linden aus Brüssel sowie renommierte Londoner Gärtnereien.
- 1866: Edmond Goëze (1838–1929), deutscher Botaniker und Direktor des Botanischen Gartens von Coimbra, besucht São Miguel zum Pflanzensammeln und besichtigt den Garten.
- 1879: Caetano de Andrade Albuquerque übernimmt die Verantwortung für den Lombinha-Garten.
- 1957: Die Stadtverwaltung von Ponta Delgada und der Bezirksrat erwerben das Anwesen von der Familie Caetano de Andrade Albuquerque.
- 1969: Ein Vorentwurf des Landschaftsarchitekten Viana Barreto zur Aufwertung des Gartens wird ausgearbeitet, jedoch nicht umgesetzt.
- 2000: Die englischen Spezialisten Richard Green und David Sayers führen ein Sanierungsprojekt zur Rettung des Baumbestands durch.
- 2005: Abschluss der Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten durch das lokale Unternehmen Marques S.A.
Sehenswürdigkeiten & Bauwerke (A–G)
- A – Büste von António Borges: Geschaffen von Numídico Bessone (1913–1985) und 1958 eingeweiht. Die Büste stand an verschiedenen Plätzen im Garten, bevor sie nach den Sanierungsarbeiten von 2005 ihren heutigen Standort erhielt.
- C – "Coche-Real" (Königliche Kutsche): Volksmund für die aus Vulkangestein gemauerte Brücke mit drei Bögen aus rotem Lavagestein, die das Farntal überspannt.
- E – Aussichtspunkt aus Vulkangestein: Dieser traditionelle Aussichtspunkt aus trocken geschichtetem Lavagestein besteht aus zwei übereinanderliegenden Pyramidenkörpern mit integrierter Steintreppe. Ursprünglich gab es im gesamten Garten vier solcher Aussichtspunkte.
- G – Lavahöhle & Tunnel: Eine unterirdische Höhle mit Gewölbebögen aus Vulkangestein, die als Tunnel ins Tal führt. Flechten- und Moospolster bilden kleine Stalaktiten, während die umliegende Vegetation aus Palmen, Drachenbäumen und Baumfarnen eine dschungelartige Kulisse schafft.
Fauna & Flora
- 2 – Moreton-Bay-Feige (Ficus macrophylla) | Australien: Dieser Baumriese bildet monumentale Brettwurzeln aus, die wie lebendige Skulpturen wirken. Er besitzt große dunkelgrüne Blätter, und sein Stammfuß bzw. Kronendurchmesser kann bis zu 60 Meter breit werden. Die beiden Exemplare im Garten wurden vermutlich 1863 gepflanzt; das untere Exemplar stirbt derzeit ab.
- 4 – Azorische Picconie (Picconia azorica) | Azoren: Das gelbliche Holz dieses kleinen einheimischen Baumes war für Möbel und den Schiffbau sehr begehrt. Heute ist die Art gesetzlich geschützt und vom Aussterben bedroht; sie kommt natürlich auf allen Azoreninseln außer Graciosa vor.
- 6 – Honigpalme / Chilenische Weinpalme (Jubaea chilensis) | Chile: Erreicht bis zu 25 Meter Höhe und besitzt einen glatten, dicken Stamm. Bekannt für ihren zuckerreichen Saft, der zu Palmwein vergoren oder zu Palmenhonig ("Miel de Palma") eingekocht wurde. Durch starke Übernutzung ist sie heute stark gefährdet und unterliegt strengem Artenschutz.
- 8 – Palmfarn (Cycas circinalis) | Indien: Sieht einer Palme ähnlich, gehört jedoch zu den nacktsamigen Urzeitpflanzen. Früher in Notzeiten als Stärkequelle (Sago) genutzt. Sie wird auf der Roten Liste der IUCN infolge von Lebensraumverlust als stark gefährdet geführt.
- 10 – Terpentinbaum (Syncarpia glomulifera) | Australien: Zeichnet sich durch dicke, faserige Rinde und cremeweiße Blütenstände aus. Das Holz ist extrem widerstandsfähig gegen marine Bohrmuscheln und wurde traditionell für Hafenmolen, Schiffsrümpfe und Pfahlbauten genutzt.
- 12 – Zimmertanne / Norfolktanne (Araucaria heterophylla) | Norfolk- und Phillip-Inseln: Ein majestätischer Nadelbaum von den Inseln, die einst von Kapitän Cook entdeckt wurden. Typisch ist der etagenförmige, vollkommen symmetrische Wuchs. Dank ihrer Widerstandskraft gegen salzige Meeresbrisen ist sie weltweit in Küstenregionen anzutreffen.
- 14 – Totara / Steineibe (Podocarpus totara) | Neuseeland: Das traditionelle Holz der Māori für den Bau ihrer Waka-Kanus. Ein langsam wachsender Baum mit faseriger Rinde und spitzen Nadeln, der bis zu 30 Meter Höhe erreicht und dichtes, langlebiges Holz liefert.
Tierwelt im Park
Im dichten Blätterdach und Unterholz lassen sich typische Vogel-, Reptilien- und Fledermausarten beobachten: