de

Madeira Landwirtschaft

Madeiras Landschaft: Terrassen, Levadas und Fajãs

Bananenplantagen auf Terrassen an der Südküste Madeiras
Bananen auf Terrassen: Jedes Stück Feld auf Madeira wurde dem Hang abgerungen.

Funchal (Madeira) – Wer über Madeira fährt, sieht überall Stufen: Tausende kleine Felder, gestützt von Mauern aus Lavastein, ziehen sich die Hänge hinauf. Diese Terrassen und die Wasserkanäle, die sie bewässern, sind das Werk von fast 600 Jahren Handarbeit. Sie haben aus einer steilen Vulkaninsel einen Garten gemacht. Heute stehen viele der Felder vor dem Verfall.

Madeiras Kulturlandschaft auf einen Blick

Terrassen: kleine Felder auf Stützmauern aus Basalt, angelegt seit der Besiedlung im 15. Jahrhundert

Levadas: rund 3.100 km Wasserkanäle, davon etwa 80 km in Tunneln

Fajãs: flache Landstücke am Fuß der Klippen, entstanden aus Felsstürzen und Lavaströmen

Wichtige Kulturen: Bananen, Wein, Kartoffeln und Süßkartoffeln, Gemüse, tropische Früchte

Landwirtschaft heute: 12.202 Betriebe (2023), fast zehn Prozent weniger als 2019

Eine Insel ohne ebenes Land

Madeira ist ein Vulkangebirge, das steil aus dem Atlantik aufsteigt. Ebene Flächen gibt es kaum, und weil das Meer schon nahe der Küste sehr tief ist, fehlt auch flaches Schwemmland. Wer hier Landwirtschaft betreiben wollte, musste sich den Boden erst schaffen.

Genau das taten die Madeirer, Generation um Generation. Sie brachen Basalt und Geröll aus den Hängen, schichteten daraus Mauer um Mauer und trugen Erde in Körben über steile Pfade hinauf, um die Stufen zu füllen. So entstand auf Hügeln, Hängen und an Klippen eine Agrarlandschaft, die bis heute das Bild der Insel prägt. Die Arbeit war hart und gefährlich, und nicht wenige Bauern verloren dabei ihr Leben.

Was ist eine Fajã?

Eine Fajã ist ein flaches Stück Land am Fuß einer Steilwand, meist direkt am Meer. Es entsteht, wenn Felsmassen von den Klippen abbrechen oder Lava ins Meer fließt und sich darauf über die Zeit fruchtbare Erde sammelt. Weil diese Flächen eben und geschützt sind, wurden sie früh bewirtschaftet. Fajãs gibt es auf Madeira und fast allen Inseln der Azoren.

Eine der bekanntesten Fajãs Madeiras liegt westlich von Funchal unterhalb hoher Klippen. Dort wachsen Wein und tropische Früchte, und eine Seilbahn führt hinunter. Mehr dazu unter Fajã dos Padres.

Levadas: Wasser vom Norden in den Süden

Terrassen allein reichten nicht. Im sonnigen Süden war das Wasser knapp, während es im Norden, im zentralen Bergland und auf der Hochebene Paul da Serra reichlich regnete. Deshalb bauten die Siedler schon im 15. Jahrhundert, kurz nach der Besiedlung, die ersten Levadas: schmale Kanäle, die Wasser entlang der Hänge über weite Strecken zu den Feldern leiten.

Rund 400 Jahre lang bauten vor allem private Besitzer und Gemeinschaften von Bauern die Kanäle. Ab dem 19. Jahrhundert half der Staat mit. Die Levada Velha do Rabaçal, an der von 1835 bis 1860 gebaut wurde, war die erste mit öffentlichem Geld. Ab 1947 folgte ein großes staatliches Programm, das das Bergmassiv mit langen Tunneln durchbohrte und bis 1967 rund 400 Kilometer neue Levadas und vier Wasserkraftwerke schuf. Heute misst das Netz rund 3.100 Kilometer.

Die Levadas versorgen bis heute Felder, Haushalte und Kraftwerke mit Wasser. Die Wartungswege daneben sind zu den beliebtesten Wanderwegen der Insel geworden. Seit 2017 stehen die Levadas auf der Vorschlagsliste Portugals für das UNESCO-Welterbe. Die Bewerbung wurde 2024 zurückgezogen, um auch private Kanäle aufzunehmen. Alles über die Kanäle und die schönsten Wege finden Sie unter Levadas auf Madeira und im Madeira Wanderführer.

Wie das Wasser den Süden grün machte

Grüne Hänge und Felder an der Südküste Madeiras
Grüne Südküste: Ohne das Wasser der Levadas wären viele dieser Hänge trocken.

Das Wasser aus dem Norden veränderte das Gesicht des Südens. Große Flächen, die bis dahin trocken lagen, wurden grün und fruchtbar, etwa im Tal von Machico, im Hochland oberhalb von Funchal und rund um Caniço und Santa Cruz. Bei mildem Klima und Wasser rund ums Jahr können die Bauern hier zwölf Monate lang ernten.

Am sichtbarsten ist das bei den Bananen. Sie wachsen vor allem an der warmen Südküste, besonders im Westen rund um Madalena do Mar. 2023 bewirtschafteten 2.815 Bauern zusammen 883 Hektar Bananenplantagen. Daneben prägen Weinberge, Kartoffeln, Süßkartoffeln und Gemüse die Terrassen. Was auf den Feldern wächst, sehen Sie am besten in der Markthalle von Funchal, und wie daraus der berühmte Inselwein wird, lesen Sie unter Madeira Wein.

Der Niedergang der Terrassen

Die Felder auf Madeira sind winzig und wirken oft eher wie gepflegte Gärten hinter den Häusern. Viele sind nur zu Fuß über lange, steile Treppen erreichbar, und die Ernte wird bis heute auf dem Rücken getragen. Für junge Leute ist diese Arbeit wenig attraktiv. Die Alten verlieren an Kraft, Mauern stürzen ein, Felder verwildern. Zwischen 2019 und 2023 sank die Zahl der Betriebe um fast zehn Prozent auf 12.202.

Der Verfall hat Folgen weit über die Landwirtschaft hinaus. Die Stützmauern dienten auch als Drainage. Wenn sie zerfallen, steigt die Gefahr von Erdrutschen, und Bäche und Flüsse werden in der Regenzeit unberechenbarer für die Orte an der Küste. Abgeschwemmte Erde landet im Meer und kann dort die Unterwasserwelt schädigen.

Die Kulturlandschaft selbst erleben

Entlang einer Levada wandern: Der Klassiker ist die Levada das 25 Fontes bei Rabaçal. Die Tour beschreibt der Wanderführer PR 6, weitere Wege finden Sie unter Madeira Wanderwege.

Die Terrassen mit dem Auto entdecken: Besonders eindrucksvoll sind die Hänge an der Süd- und Westküste. Tipps für die Fahrt finden Sie unter Madeira mit dem Auto, Straßen auf Madeira und Madeiras Westküste.

Die ursprüngliche Natur sehen: Wie Madeira vor den Terrassen aussah, zeigt der Lorbeerwald im Norden, seit 1999 UNESCO-Welterbe. Mehr unter Lorbeerwald auf Madeira.

Mit Guide unterwegs: Auf einer privaten Tour erklären Ihnen Einheimische die Landwirtschaft vor Ort. Unsere Empfehlungen finden Sie unter Ausflüge auf Madeira.

Mein Fazit

Für mich sind die Terrassen und Levadas das eigentliche Denkmal Madeiras, gebaut nicht von Königen, sondern von Bauern mit Hacke und Korb. Wer einmal neben einer Levada gewandert ist und gesehen hat, wie das Wasser seit Jahrhunderten zu den Feldern fließt, schaut anders auf diese Insel.

Häufige Fragen zu Madeiras Landschaft

Warum gibt es auf Madeira so viele Terrassen?

Weil die Insel kaum ebenes Land hat. Um Felder anlegen zu können, bauten die Bewohner seit dem 15. Jahrhundert Stützmauern an den Hängen und füllten sie mit Erde auf.

Was ist eine Levada?

Ein schmaler Wasserkanal, der Wasser aus den regenreichen Bergen und dem Norden zu den Feldern im Süden leitet. Das Netz misst rund 3.100 Kilometer.

Seit wann gibt es Levadas auf Madeira?

Seit dem 15. Jahrhundert, kurz nach der Besiedlung. Die großen Tunnel durch das Bergmassiv entstanden vor allem im 19. und 20. Jahrhundert.

Was ist eine Fajã?

Ein flaches, fruchtbares Landstück am Fuß einer Klippe, entstanden aus Felsstürzen oder Lava. Fajãs gibt es auf Madeira und den Azoren.

Was wird auf Madeira angebaut?

Vor allem Bananen, Wein, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Gemüse und tropische Früchte. Die Bananen wachsen auf rund 883 Hektar an der warmen Südküste.

Stand: Oktober 2026

🚗 Ganz privat von PortugalExpert empfohlen

Madeira Private Sightseeing-Touren

Entdecken Sie Madeira ganz in Ihrem eigenen Tempo — mit privatem Fahrer und Guide, individuell auf Ihre Wünsche zugeschnitten. Ideal für Familien, Paare und alle, die es lieber persönlich mögen. Jetzt die besten privaten Touren ansehen und direkt buchen.

Terrassen und Aquädukte

Die Landwirtschaft auf Madeira

Einzigartige Agrarlandschaften 

Auf Madeira ist die landwirtschaftlich nutzbare Fläche sehr knapp und das tiefe Merreswasser in Küstennähe verhindert die Zunahme an benutzbaren Ackerflächen. Lediglich die kleine Fläche der Fajäs, die durch die von den Klippen abbrechenden Felsen geschaffen wurden, können landwirtschaftlich genutzt werden.

Eingezwängt zwischen dem Atlantik und den vulkanischen Bergen der Insel, brauchten die Madeiraner viel Einfallsreichtum und Kraft, um das Land landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Durch den Terrassenbau haben sie über die Jahrhunderte hinweg eine einzigartige Agrarlandschaft zu schaffen, die auf Hügeln, Hängen und Klippen, auch heute noch lebendig ist. Dieses natürliche Denkmal, welches von aufeinanderfolgenden Generationen errichtet wurde, kostete vielen Schweiß und nicht wenige der Bauern verlorenen dabei auch ihr Leben.

Bananenplantage auf  Madeira
Bananenplantage auf Madeira
Faja auf Madeira
Faja auf Madeira

Was ist eine Faja ?

Die portugiesischen Sprache definiert Fajã als das Tiefland bzw. der Boden neben einem Felsen, normalerweise am Meer gelegen auf dem Landwirtschaft betrieben wird. In der in der Regel wird das Land durch eine Ansammlung von Erde auf einer sehr widerstandsfähigen Lavabank gebildet. Das Wort Fajã ist auf den Azoren und Madeira sehr verbreitet, wo Fajas auf fast allen Inseln vorkommen.

Madeira Reisetipps und Inspirationen



Markthalle in Funchal
Markthalle in Funchal

Die Baukunst der Terrassen und Levadas

Um die landwirtschaftlichen Terrassen zu bauen, war es notwendig, den vulkanischen Basalt und das vulkanische Geröll aufzubrechen. Stein auf Stein wurden entlang der Berge endlose Mauern errichtet. Anschließend wurde Erde durch steile Fußwege hinaustransportiert, um die Terrassen aufzufüllen. Der Bau von Terrassen und die Öffnung de unzähligen Levadas (Wassertransportwege) für den Transport des Düngewassers sind erstaunliche menschliche Errungenschaften und Kulturrebe von Madeira.


Warum waren die Levadas notwendig?

Die Einwohner Madeiras verstanden es, die widrigen Bedingungen zu überwinden. Im Süden der Insel, wo die Temperatur höher ist, war jedoch das Wasser knapp. Der Bau von Wasserwegen ( Levadas) war notwendig, denn das Grundwasser und das Regenwasser aus den südlichen Bächen erwies sich als unzureichend, um das trockene Land an den sonnigen Hängen zu bewässern. Dagegen gab es im zentralen Bergmassiv, auf der Hochebene von Paul da Serra und dem nördlichen Teil der Insel ausreichend Wasser. Aus diesem Grund begannen ab dem 19. Jahrhundert die Einwohner das Mittelgebirge mit Tunnels zu perforieren sowie die bekannten Aquädukte (Levadas) in das Gestein zu bauen.

Levada de bom sucesso
Levada de bom sucesso

Wie hat das aus dem Norden herangeführte Wasser die Landschaft im Süden der Insel verändert?

Das aus dem Norden herangeführte Wasser der Aquädukte veränderte das Erscheinungsbild der bis dahin trockenen Landschaft im Süden der Insel. Große Gebiete im südlichen Teil der Insel wurden nun "grün" und fruchtbar und einer intensiven Landwirtschaft zugänglich gemacht. Zum Beispiel velor das Machico-Tal seine "Trockenheit" mit der Öffnung der Levada Nova. Auch das östliche Hochland rund um die Hsaauptstadt Funchal sowie die Ortschaften Caniço und Santa Cruz profitierte stark von dem Bau der Wasserwege. Bei einer durchschnittlichen Temperatur von über 15 °C, und mit ganzjährigem Wasser produzieren die Farmen zwölf Monate im Jahr.

Terassenbau auf Madeira
Terassenbau auf Madeira

Der Niedergang der Landwirtschaft und die sukzessive Erosion der landwirtschaftlich genutzten Böden

Die landwirtschaftlichen Parzellen in Madeira sind klein und sehen eher aus wie gepflegte Hinterhöfe der Häuser an den Hängen. Durch die Lage und den schwierigen Zugang zu den Parzellen ist es bis heute noch notwendig, die Produkte auf dem Rücken über lange und steile Treppen zu tragen. Diese schweren Arbeitsbedingungen führten dazu, dass viele junge Menschen sich von der Landwirtschaft abwandern. Die Alten verlieren an Kraft, die Mauern stürzen ein und die Felder verkommen. Eine weitere negative Folge des Niedergangs der Landwirtschaft ist die zunehmende Erosion der bisher landwirtschaftlich genutzten Böden. Mit dem Verfall der Stützmauern, die bisher als Drainage für Wasser dienten, steigt auch die Gefahr von Erdrutschen, der Verlauf von Bächen und kleinen Flüssen wird vor allem in der Regenzeit unberechenbarer und gefährlicher für die Ortschaften an der Küste. Die bisher landwirtschaftlich genutzte Böden landen im Meer und verursachen dort schwere ökologischen Schäden an der Meeresfauna.


Reiseerlebnisse in Madeira entdecken


Besonders populäre Ausflüge