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Die Adern von Madeira: Wie Levadas und das Paul da Serra Plateau die Insel versorgen

Das Wasser-Wunder im Atlantik

Eine felsige, steile Vulkaninsel – und trotzdem einer der grünsten Gärten im gesamten Atlantik! Wie geht das zusammen? Die Antwort liegt in einer genialen ökologischen Symbiose: einem gigantischen natürlichen Wasserspeicher im Hochland und einem jahrhundertealten, von Menschenhand geschaffenen Verteilersystem. Zusammen machen sie Madeira zu dem grünen Wunder, das es heute ist.


Paul da Serra: Der gigantische natürliche Wasserspeicher


Die ökologische Funktion als "Schwamm"

Ein Hochplateau mit einer besonderen Aufgabe! Das ausgedehnte Paul da Serra liegt auf 1.400 bis 1.600 Metern Höhe und erstreckt sich über rund 20 bis 24 Quadratkilometer im westlichen Zentralmassiv der Insel.

Das maritime Klima sorgt für reichlich Niederschlag – und das Plateau saugt ihn regelrecht auf, wie ein riesiger Schwamm. Es wirkt als natürliche Wasserscheide: Das Regenwasser sammelt sich hier und fließt langsam weiter in Täler, Flüsse und Levadas.

Überlebenswichtig für die gesamte Insel

Ohne dieses Hochland-Reservoir würde vieles nicht funktionieren! Die Bewässerung der landwirtschaftlichen Flächen im trockenen Süden – und selbst die allgemeine Trinkwasserversorgung der Insel – wäre ohne dieses gesammelte Wasser schlichtweg unmöglich.

Tipp: Mehr über diese beeindruckende Hochebene erfährst du auf unserer Detailseite "Die Hochebene Paul da Serra in Madeira".


Das historische Levada-System: Die Adern der Insel


Meisterwerke der Ingenieurskunst

Ein Kontrast, der die ganze Insel geprägt hat! Während der Norden und das Mittelgebirge geradezu im Wasser schwimmen, war es im wärmeren, sonnigen Süden für die Landwirtschaft extrem knapp.

Die Lösung dafür begann bereits im 19. Jahrhundert: Die Bewohner Madeiras perforierten das Mittelgebirge mit Tunneln und schlugen Wasserkanäle – die Levadas – direkt in den Fels. Ein Mammutprojekt, das bis heute Bestand hat!

Das Ergebnis ist weltweit einzigartig: mehr als 2.000 Kilometer an Kanälen und über 40 Kilometer Tunnel durchziehen die Insel wie ein Adernsystem.

Funktionsweise und Aufbau

Rund 200 öffentliche und private Levadas gibt es auf Madeira – fast alle entspringen in den niederschlagsreichen Bergen des Nordens und Zentrums.

Klein, aber wirkungsvoll: Die Kanäle sind meist nicht breiter als ein Meter, mit einer durchschnittlichen Tiefe von nur 50 bis 60 Zentimetern. Und doch versorgen sie die gesamte Insel mit Leben.

Tipp: Alle Levadas Madeiras im Überblick findest du auf unserer Kategorieseite "Die Levadas auf Madeira".


Von den Bergen ans Meer: Terrassen und Fajãs


Der Kampf um jeden Meter Land

Flaches Ackerland? Auf Madeira Mangelware! Weil natürliche ebene Flächen so knapp sind, mussten die Bergbauern steile Klippen und Hänge mühsam terrassieren – mit Trockenmauern aus vulkanischem Basalt, Stein für Stein von Hand gesetzt.

Besonders wertvoll: die sogenannten Fajãs – kleine, fruchtbare Tieflandflächen direkt am Meer, oft entstanden durch abgebrochene Felsbrocken von den Klippen darüber.

Die Verwandlung des Südens

Ein ganzer Landstrich, verwandelt durch Wasser! Durch die gezielte Verteilung des "Düngewassers" aus den Levadas in den trockenen Süden – etwa bei Caniço, Santa Cruz oder im Machico-Tal – wurde aus kargem Land ein grünes, fruchtbares Paradies.


Der Anbau von Bananen und Zuckerrohr


Das Klima als Motor der Landwirtschaft

Zwölf Monate im Jahr Ernte – das schafft nicht jede Insel! Dank des konstanten Wassers aus den Bergen und einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von über 15 °C können die Plantagen ganzjährig produzieren.

Zu den wichtigsten Erzeugnissen der fruchtbaren Böden zählen ausgedehnte Bananenplantagen und das historische Zuckerrohr – ein Erbe, das bis heute lebendig ist.

Tipp: Mehr zum Thema findest du in "Madeira Landwirtschaft" und in "Madeira mit dem Bus entdecken: Rumproduktion in Porto da Cruz" – dort wird das traditionelle Zuckerrohr noch heute zu Rum verarbeitet.


Ökotourismus entlang der Wasserwege

Was einst nur der Landwirtschaft diente, ist heute ein Tor zur wilden Seite Madeiras! Das Levada-System macht abgelegene, unberührte Naturorte für den sanften Ökotourismus erreichbar – zu Fuß, entlang jahrhundertealter Wasserwege.

Tipp: Willst du diese Wasserwege selbst hautnah erleben? Dann schau in unseren Leitfaden "Wanderführer Madeira: Levada das 25 Fontes PR 6".