Die Gartenanlage - Jardim Botânico d'Ajuda
Jardim Botânico da Ajuda Lissabon: Geheimtipp mit Blick auf den Tejo
Ein Garten für Prinzen, entstanden aus einer Katastrophe. Der Jardim Botânico da Ajuda ist der älteste botanische Garten Portugals. Und doch übersehen ihn die meisten Besucher, die nur wenige Gehminuten entfernt Belém-Turm und Jerónimos-Kloster besichtigen.
Zwischen jahrhundertealten Bäumen und barocken Wasserspielen liegt hier eine der stillsten grünen Oasen der Stadt. Wer den Weg hierher findet, wird mit einem Panoramablick über den Tejo belohnt – meist ganz ohne Gedränge.
Ein Garten aus der Not geboren
Die Geschichte beginnt mit dem Großen Erdbeben von 1755. König José I. suchte damals mit seiner Familie Zuflucht in Ajuda, einem Stadtteil, der von der Katastrophe weitgehend verschont blieb. Aus Angst vor weiteren Beben ließ sich die königliche Familie zunächst in Zelten, später in einer Holzresidenz nieder.
1768 beauftragte der Marquês de Pombal, mächtiger Premierminister des Königs, den italienischen Botaniker Domingos Vandelli mit der Anlage eines botanischen Gartens direkt neben der königlichen Residenz. Vandelli, der aus Padua stammte, übertrug dabei Elemente des dortigen botanischen Gartens, Europas ältestem seiner Art, nach Lissabon. Unterstützt wurde er von Júlio Mattiazi, dem ersten Gärtner des Paduaner Gartens.
Ursprünglich diente die Anlage der Erziehung der portugiesischen Prinzen. Schnell wuchs sie jedoch zu weit mehr heran: einem Museum und einer Sammelstelle für Pflanzenarten aus aller Welt. Expeditionen nach Angola, Brasilien und auf die Kapverden brachten Samen und Setzlinge zurück nach Lissabon, bis der Garten zeitweise mehr als 5.000 verschiedene Pflanzenarten beherbergte.
1837 übernahm die Academia das Ciências de Lisboa die Verwaltung des Gartens, ein Jahr später folgte die Gründung der Escola Politécnica de Lisboa, die den Garten fortan für ihre naturwissenschaftliche Ausbildung nutzte. Seit 1910 gehört der Jardim Botânico da Ajuda schließlich zum Instituto Superior de Agronomia, das ihn bis heute als Lehr- und Forschungseinrichtung betreibt.
Renaissance-Terrassen mit barockem Schmuck
Architektonisch folgt der Garten Renaissance-Vorbildern, angelegt in Terrassen, die sich den Hang hinaufziehen. Drei Elemente prägen das Bild: gemeißelter Stein, Pflanzen und Wasser in Brunnen und Teichen.
Die Ornamentik trägt jedoch deutlich barocke Züge, vor allem der zentrale Brunnen und die seitlichen wie mittigen Treppenanlagen. Auf der oberen Ebene liegt die eigentliche botanische Sammlung, mit den Teichen König Josés und einem Baumgarten voller tropischer Flora. Die untere Ebene zeigt einen barocken Buchsbaumgarten mit zentralem Teich, ganz im Stil klassischer Ziergärten jener Zeit.
Ein besonderes Detail ist der Jardim dos Aromas, ein Duftgarten mit aromatischen und medizinischen Pflanzen, eigens für blinde Besucher gestaltet. Alle Beschriftungen sind in Brailleschrift gehalten, die Pflanzen bewusst so platziert, dass sie sich leicht ertasten und erriechen lassen.
Der Garten trägt seit 1944 den Status eines Imóvel de Interesse Público, eines Bauwerks von öffentlichem Interesse. Diese Anerkennung würdigt nicht nur die botanische Sammlung, sondern auch die gestalterische Einheit aus Architektur, Wasser und Pflanzenwelt, die bis heute weitgehend im Originalzustand erhalten ist.
Ein Spaziergang durch Geschichte und Botanik
Der Rundgang beginnt am Eingang an der Calçada da Ajuda, gegenüber dem Palácio Nacional da Ajuda. Von dort führt der Weg zunächst durch die untere Ebene, vorbei am zentralen Teich und den symmetrisch angelegten Buchsbaumhecken.
Auf dem Weg nach oben lohnt ein Blick auf die kunstvoll gemeißelte Fonte das 40 Bicas, einen Brunnen mit vierzig Wasserdüsen, der in den 1990er-Jahren aufwendig restauriert wurde. Zwischen den Wegen spazieren freilaufende Pfauen, ein Anblick, der viele Besucher überrascht.
Oben angekommen, öffnet sich der Blick auf den Tejo und die Brücke des 25. April. Zwischen jahrhundertealten Bäumen und exotischen Gewächsen aus den einstigen portugiesischen Kolonien wird hier die globale Geschichte Portugals auf kleinstem Raum erlebbar – ein Geheimtipp, der weit mehr zu bieten hat als sein unscheinbarer Eingang vermuten lässt.
Anreise, Adresse und gute Planung
Der Jardim Botânico da Ajuda liegt an der Calçada da Ajuda, 1300-011 Lisboa. Verwaltet wird er heute vom Instituto Superior de Agronomia, weitere Informationen liefert die offizielle Website des Gartens.
Mit der historischen Straßenbahnlinie 18 erreicht man den Garten bequem, alternativ verkehren auch die Buslinien 727, 729 und 732 in die Nähe. Die Öffnungszeiten variieren je nach Jahreszeit, üblicherweise zwischen neun und achtzehn beziehungsweise zwanzig Uhr. Geschlossen bleibt der Garten am 25. Dezember und 1. Januar.
Der Eintritt ist mit rund zwei Euro angenehm günstig, eine gute Gelegenheit für einen ruhigen Zwischenstopp vor oder nach einem Besuch im nahen Belém.
Tipps in der Umgebung
Direkt gegenüber liegt der Palácio Nacional da Ajuda, dessen Prunkräume einen weiteren Einblick in die portugiesische Königsgeschichte bieten. Nur wenige Gehminuten entfernt warten zudem das Jerónimos-Kloster und der Torre de Belém, beide zu den bekanntesten Wahrzeichen Lissabons zählend.
Wer dem versteckten Lissabon noch weiter nachspüren möchte, findet in der Nähe auch das Jardim-Museu Agrícola Tropical, einen weiteren botanischen Garten mit kolonialer Geschichte – zusammen ergeben beide Orte eine stille grüne Route abseits der Touristenmassen von Belém.
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