Der Garten - Jardim Afonso de Albuquerque
Jardim Afonso de Albuquerque in Belem: Geheimtipp vor dem Präsidentenpalast
Ein Park, von dem aus eine Königsfamilie einst vor Napoleon floh. Der Jardim Afonso de Albuquerque liegt direkt vor dem Palácio Nacional de Belém, dem Sitz des portugiesischen Staatspräsidenten. Und doch eilen die meisten Touristen achtlos vorbei, auf dem Weg zu Kloster oder Turm.
Dabei erzählt kaum ein Ort in Belém so viel portugiesische Geschichte auf so kleinem Raum. Wer hier eine Pause einlegt, sitzt buchstäblich im Schatten von Weltreich, Flucht und Fußballgeschichte.
Ein Platz zwischen Weltreich und Flucht
Namensgeber des Parks ist Afonso de Albuquerque, portugiesischer Staatsmann und Gouverneur von Portugiesisch-Indien zwischen 1507 und 1515. Mit der Eroberung von Goa und Malakka machte er Portugal zu einer der mächtigsten Kolonialmächte seiner Zeit, seine Zeitgenossen nannten ihn ehrfürchtig "den Großen".
In der Mitte des nach ihm benannten Platzes steht seit 1902 ein Denkmal zu seinen Ehren. Der Architekt Silva Pinto entwarf den neomanuelinischen Sockel, der Bildhauer Costa Mota schuf die Bronzestatue darüber. Flachreliefs am Sockel zeigen Szenen seiner Eroberungen, ein steinernes Geschichtsbuch mitten im Grünen.
Die südliche Seite des Platzes, dem Tejo zugewandt, diente bereits 1753 als Hafen. Genau von hier aus floh 1807 die portugiesische Königsfamilie um Königin Maria I. und den späteren König João VI. vor den anrückenden napoleonischen Truppen nach Rio de Janeiro. Ein dramatischer Moment portugiesischer Geschichte, der sich exakt an diesem heute so ruhigen Ort abspielte.
Ihre heutige Form erhielt die Anlage erst 1940, im Zuge der "Ausstellung der Portugiesischen Welt". Vier Brunnen, dem Bildhauer Barata Feyo zugeschrieben, wurden damals ergänzt und prägen bis heute das Bild des Parks.
Diese Ausstellung von 1940 war für ganz Belém ein Wendepunkt. Das Regime nutzte den Anlass, um die kolonialen Errungenschaften Portugals in monumentaler Architektur zu feiern, und schuf damit das noch heute erkennbare Erscheinungsbild vieler Plätze und Gärten der Gegend. Der Jardim Afonso de Albuquerque ist eines der unauffälligeren, aber authentischsten Zeugnisse dieser Zeit – kein Prunkbau, sondern ein stiller Park mit klarer Symmetrie.
Symmetrie, Stein und Wasser
Architektonisch folgt der Jardim Afonso de Albuquerque der klaren, symmetrischen Formsprache, die für die Weltausstellung von 1940 charakteristisch war. Wege, Rasenflächen und die vier Brunnen sind axial auf das zentrale Denkmal ausgerichtet.
Der neomanuelinische Sockel des Denkmals selbst ist ein architektonisches Kuriosum: Er greift Stilformen aus dem 16. Jahrhundert auf, obwohl das Denkmal erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand. Diese bewusste Rückbesinnung auf die Zeit der Entdeckungen war typisch für die portugiesische Denkmalkultur jener Epoche.
Direkt angrenzend liegt der Jardim de Buxo des Palácio de Belém, ein Buchsbaumgarten im Stil französischer Parterregärten, der von der Terrasse des Präsidentenpalasts aus einsehbar ist – ein architektonischer Dialog zwischen öffentlichem Park und privatem Regierungssitz.
Ein Spaziergang durch kleine Details
Der Rundgang beginnt am besten direkt vor dem Denkmal, mit Blick auf die Flachreliefs am Sockel. Von hier aus lohnt ein Moment Zeit, um sich die Szenen der Eroberungen genauer anzusehen, bevor der Blick weiterschweift zum Palácio Nacional de Belém im Hintergrund.
Ein unscheinbares Detail liegt auf den steinernen Bänken vor dem Denkmal: Genau hier gründete sich am 23. September 1919 der Fußballverein Os Belenenses, einer der traditionsreichsten Klubs Lissabons. Eine kleine, wenig bekannte Fußnote portugiesischer Sportgeschichte, mitten im Park.
Wer weiterschlendert, erreicht die vier Brunnen aus dem Jahr 1940, ideal für eine kurze Verschnaufpause im Schatten. Von dort öffnet sich der Blick zum Museu Nacional dos Coches auf der einen und dem Museu da Presidência da República auf der anderen Seite des Platzes.
Wer genau hinsieht, erkennt auch die südliche Platzkante, die einst als kleiner Hafen diente. Von hier aus lässt sich gut nachvollziehen, wie nah der Tejo früher an das heutige Platzgelände heranreichte, bevor spätere Aufschüttungen die Uferlinie nach Süden verschoben.
Anreise
Der Jardim Afonso de Albuquerque liegt an der Praça Afonso de Albuquerque im Stadtteil Belém, direkt gegenüber dem Palácio Nacional de Belém. Der Park ist frei zugänglich, ohne Eintritt und ohne feste Öffnungszeiten.
Mit der historischen Straßenbahnlinie 15 erreicht man Belém bequem vom Stadtzentrum aus, alternativ verkehren mehrere Buslinien sowie Regionalzüge bis zum Bahnhof Belém. Da der Park meist nur kurz gestreift wird, lohnt sich, bewusst ein paar Minuten einzuplanen, statt direkt weiter zum Kloster zu eilen.
Tipps in der Umgebung
Nur wenige Schritte entfernt liegt das Mosteiro dos Jerónimos, eines der bekanntesten Bauwerke Lissabons, ebenso wie der Torre de Belém am Flussufer. Wer es ruhiger mag, findet im angrenzenden Jardim Vasco da Gama schattige Terrassenrestaurants mit traditioneller portugiesischer Küche.
Auch das Museu Nacional dos Coches, eines der bedeutendsten Kutschenmuseen der Welt, liegt in unmittelbarer Nähe – ein weiterer, oft übersehener Ort im Trubel von Belém.