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Der Zoo von Lissabon

Ein Zoo, älter als der Eiffelturm. Der Jardim Zoológico de Lisboa öffnete bereits 1884 seine Tore, als erster seiner Art auf der gesamten Iberischen Halbinsel. Heute leben hier rund 2.000 Tiere aus etwa 300 Arten, mitten im Herzen der Stadt.

Für Familien gehört der Zoo zu den verlässlichsten Ausflugszielen Lissabons. Aber auch ohne Kinder lohnt der Besuch: Wenige Orte der Stadt zeigen so anschaulich, wie Lissabon einst über die halbe Welt vernetzt war – durch Handel, Kolonien und Schifffahrtsrouten, die auch exotische Tiere in die portugiesische Hauptstadt brachten.

Von der Pedreira nach Sete Rios

Die Geschichte des Zoos beginnt 1884, mitten im Park von São Sebastião da Pedreira. Schon damals war Portugal Kolonialmacht, und exotische Tiere aus Afrika und Asien fanden früh ihren Weg in die neue Anlage.

Der erste Standort erwies sich rasch als zu klein. 1894 zog der Zoo nach Palhavã um, auf ein Gelände, das heute der Fundação Calouste Gulbenkian gehört. Doch auch dieser Umzug war nicht von Dauer.

1905 fand der Jardim Zoológico schließlich seinen endgültigen Platz: die Quinta das Laranjeiras in Sete Rios, gepachtet vom großzügigen Grundbesitzer Conde de Burnay. Seither ist der Zoo an diesem Standort gewachsen, mit immer neuen Gehegen und Attraktionen.

Die Sammlung wuchs in den folgenden Jahrzehnten stetig. 1955 schenkte die Companhia de Diamantes de Angola dem Zoo einen Okapi-Bock und ein Breitmaulnashorn-Jungtier, im Jahr darauf folgten Eisbären, Flamingos, Kängurus und sogar ein Gorilla. 1961 eröffnete der Zoo einen neuen, repräsentativen Haupteingang in Sete Rios sowie einen eigenen Kinderbereich, den "Jardim Zoológico dos Pequeninos".

Viele dieser frühen Tierschenkungen kamen aus den damaligen portugiesischen Kolonien in Afrika. Schiffe der Empresa Nacional de Navegação transportierten die Tiere kostenlos nach Lissabon, ein Umstand, der die Sammlung des Zoos rasch wachsen ließ. Umgekehrt verkaufte und exportierte der Zoo in seinen frühen Jahren auch überzählige Tiere, um seine Finanzen im Gleichgewicht zu halten – ein pragmatischer Umgang mit einer Sammlung, die schneller wuchs, als das Budget mithalten konnte.

Bis heute erinnert der Name der Metrostation an diese lange Geschichte. Ursprünglich hieß die Station schlicht Sete Rios, erst 1998 benannte die Betreibergesellschaft sie zu Ehren des benachbarten Zoos in Jardim Zoológico um – ein kleines, aber sprechendes Detail Lissabonner Stadtgeschichte.

Architektur & Stil


Die architektonische Gestaltung des Zoos spiegelt die faszinierende Wandlung wider, die die Einrichtung im Laufe von mehr als einem Jahrhundert durchlaufen hat. Beim Schlendern über das Gelände trifft man immer wieder auf elegante historische Bauten im Stile der späten Neorenaissance und der Romantik, die dem Park seine unverwechselbare Identität verleihen. Das imposante Haupttor und viele der ursprünglichen Pavillons zeugen von der Ästhetik der Jahrhundertwende und verleihen dem Areal die Anmutung eines klassischen viktorianischen Landschaftsparks.

Dieser historischen Substanz stehen hochmoderne, naturnah gestaltete Gehegekomplexe gegenüber. Betongehege vergangener Zeiten wichen weitläufigen Landschaften mit natürlichen Barrieren, Wassergräben, Felsformationen und üppiger Vegetation. Ein architektonisches Highlight ist die integrierte Drahtseilbahn (Teleférico), deren Masten geschickt in den Baumbestand eingepasst wurden. Zudem wirkt der Zoo wie ein botanischer Garten: Seltene subtropische Pflanzen, mächtige Ficus-Bäume, riesige Strelitzien und schattenspendende Alleen machen das Gelände zu einem architektonisch wie botanisch meisterhaften Gesamtwerk.

Ein Garten mit botanischem Anspruch


Der Jardim Zoológico versteht sich nicht nur als Tiergarten, sondern ausdrücklich auch als botanischer Park. Alte Bäume spenden Schatten über den Wegen, dazwischen wechseln sich naturnah gestaltete Gehege mit gepflegten Grünanlagen ab.

Architektonisch markant ist die Seilbahn, die über weite Teile des Geländes führt. Aus der Vogelperspektive lassen sich Savannenlandschaft und Raubtiergehege auf einen Blick überschauen, ein Kontrast zwischen Technik und Natur, der viele Besucher überrascht.

Auch das Reptilienhaus fällt architektonisch aus dem Rahmen. Dunkel gehalten und mit warmem Licht inszeniert, schafft es eine ganz eigene, fast geheimnisvolle Atmosphäre – ein bewusster Gegenpol zu den offenen, sonnigen Freigehegen im restlichen Park.

Die verschiedenen Themenbereiche des Zoos gliedern sich in klar erkennbare Zonen, von der afrikanischen Savanne bis zum tropischen Regenwald. Diese Aufteilung erleichtert die Orientierung erheblich, gerade an belebten Tagen, wenn sich Familien mit Kinderwagen durch die Wege schieben. Wegweiser und ein zentraler Übersichtsplan am Eingang helfen zusätzlich, den weitläufigen Park effizient zu erkunden.

Ein Rundgang durch die Tierwelt


Der Rundgang beginnt am besten am Haupteingang an der Praça Marechal Humberto Delgado. Von dort führt der Weg zunächst zur Baía dos Golfinhos, der Delfinbucht, wo regelmäßige Vorführungen mit Delfinen und Seelöwen stattfinden.

Weiter geht es Richtung Reptilienhaus, wo Schlangen, Echsen und Amphibien aus aller Welt zu entdecken sind. Kinder lieben besonders den Streichelzoo und die Children's Farm, wo Nutztiere aus nächster Nähe erlebbar sind.

Ein Highlight für viele Besucher ist die Fahrt mit der Seilbahn, die einen Überblick über weite Teile des Zoos verschafft – ideal, um sich vorab zu orientieren oder die Beine bei großer Hitze zu schonen. Wer lieber zu Fuß bleibt, kann alternativ mit der kleinen Rundbahn durch den Park fahren.

Auf dem weiteren Weg warten Elefanten, Giraffen und Löwen, eingebettet in naturnah gestaltete Landschaften. Der "Zauberwald" mit seiner Vogelshow zeigt Greifvögel und exotische Vögel im freien Flug – ein Programm, das regelmäßig für Begeisterung sorgt, gerade bei jüngeren Besuchern.

Nicht minder beliebt ist der Bereich der Großkatzen, mit Tigern und Löwen auf großzügigen Anlagen. Wer eine Pause braucht, findet mehrere schattige Picknickplätze über das Gelände verteilt, ideal, um zwischen zwei Vorführungen kurz durchzuatmen. Für einen kompletten Tag im Zoo empfiehlt sich, den Zeitplan der Shows vorab zu prüfen und den Rundgang entsprechend zu planen, damit sich Delfinbucht, Vogelshow und Fütterungszeiten nicht überschneiden.


Anreise, Adresse und gute Planung

Der Jardim Zoológico liegt an der Praça Marechal Humberto Delgado, 1549-004 Lisboa, im Stadtteil Sete Rios. Offizielle Informationen und Tickets bietet die Website zoo.pt.

Die Anreise mit der Metro ist denkbar einfach. Die blaue Linie (Linha Azul) hält direkt an der Station Jardim Zoológico, die früher Sete Rios hieß und 1998 zu Ehren des Zoos umbenannt wurde. Zahlreiche Buslinien halten ebenfalls in unmittelbarer Nähe, darunter die Linien 701, 726 und 758.

Wer mit dem Auto anreist, findet kostenfreie Parkplätze direkt vor dem Zoo sowie ein größeres, kostenpflichtiges Parkhaus am Terminal Sete Rios. Tickets lassen sich vorab online buchen, was besonders in der Hochsaison lange Warteschlangen an der Kasse erspart. Für einen entspannten Besuch empfiehlt sich, früh am Tag zu starten, bevor sich die Wege füllen.

Ein kompletter Rundgang durch den Zoo nimmt erfahrungsgemäß mehrere Stunden in Anspruch, gerade mit Kindern und den verschiedenen Tiershows. Wer den ganzen Tag einplant, sollte an ausreichend Sonnenschutz und Wasser denken, denn weite Teile des Geländes liegen in praller Sonne. Innerhalb des Zoos gibt es zudem mehrere Cafés und Restaurants für eine Verpflegungspause zwischendurch.

Tipps in der Umgebung

Nur wenige Gehminuten vom Zoo entfernt beginnt der Parque Florestal de Monsanto, Lissabons grüne Lunge mit Aussichtspunkten und dem wiederentdeckten Panorâmico. Wer Natur und Tierwelt kombinieren möchte, findet hier die perfekte Ergänzung zum Zoobesuch.

Auch das Estádio da Luz und das Centro Colombo liegen in erreichbarer Nähe, jeweils über die blaue Metrolinie verbunden. So lässt sich ein Tag zwischen Tierwelt, Fußballkultur und Shopping frei kombinieren, ohne die Stadt zu verlassen.

Wer nach dem Zoobesuch noch Zeit hat, lohnt einen kurzen Abstecher zur Fundação Calouste Gulbenkian. Das Gelände dort war einst selbst Standort des Zoos, bevor er 1905 nach Sete Rios zog – ein kleiner historischer Kreis, der sich für aufmerksame Besucher schließt.

Wer einmal durch die alten Bäume des Jardim Zoológico spaziert ist, spürt, wie viel Geschichte in diesem Park steckt. Mehr als hundertvierzig Jahre Tiergartenkultur, mitten im Alltag einer modernen Metropole.

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