
Der Gorreana Tee von de Azoren
Die Anfänge und des Teeanbaus auf den Azoren
Es gibt Hinweise darauf, dass Tee auf den Azoren bereits seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts präsent ist. Die tatsächliche und systematische Teeproduktion begann jedoch erst im 19. Jahrhundert. Zu dieser Zeit befand sich der traditionelle Orangenanbau der Inseln im Niedergang, weshalb es dringend notwendig wurde, nach neuen landwirtschaftlichen Kulturen zu suchen, die diese Lücke füllen konnten. Auf Initiative der Sociedade Promotora da Agricultura Micaelense und ihres Gründers José do Canto begann man auf der Insel mit der Produktion verschiedener neuer Erzeugnisse. Dazu gehörten Tabak, Ananas, Süßkartoffeln (die für die Alkoholproduktion bestimmt waren), Zuckerrüben für die Zuckerproduktion und eben auch Tee.
Die ersten Teesamen erreichten die Azoren zu Beginn des 19. Jahrhunderts und stammten aus Brasilien. Bis zum Jahr 1848 hatten bereits verschiedene Familien auf der Insel São Miguel Tee auf ihren Ländereien angepflanzt.
Chinesische Expertise als Grundlage für den Erfolg Trotz der großen Begeisterung der einheimischen Erzeuger für diese vielversprechende neue Kultur fehlte es ihnen zunächst an dem nötigen Fachwissen für eine effiziente und qualitativ hochwertige Teeproduktion. Um dieses Problem zu beheben, ergriff die Sociedade Promotora da Agricultura Micaelense eine entscheidende Maßnahme: Sie engagierte den chinesischen Teemeister Lau-a-Pan sowie seinen Assistenten und Übersetzer Lau-a-Teng. Diese Experten gaben ihr tiefgreifendes Wissen über den Teeanbau und die korrekte Verarbeitung an die lokalen Landwirte weiter und legten so das eigentliche Fundament für die professionelle Teeproduktion auf der Insel.
Blütezeit, Krisen und das Überleben von Gorreana Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zeichnete sich ab, dass der Teeanbau eine bedeutende Reichtumsquelle für die Insel werden würde, was zur Gründung zahlreicher Teefabriken führte. Im Laufe des 20. Jahrhunderts führten jedoch verschiedene historische und gesellschaftliche Entwicklungen zu einem massiven Zusammenbruch dieses Industriezweigs. Vor allem große Auswanderungswellen sowie Änderungen in den Arbeitsgesetzen, die im Zuge der Nelkenrevolution vom 25. April eingeführt wurden, brachten alle anderen Teefabriken der Insel zur endgültigen Schließung.
Die einzige Ausnahme in dieser krisenhaften Zeit bildete die Fábrica de Chá Gorreana, die als einzige Fabrik ihre Produktion seit dem Jahr 1883 ununterbrochen aufrechterhalten konnte. In jenem Jahr produzierte Ermelinda Pacheco Gago da Câmara, die Besitzerin der Ländereien von Gorreana, ihr allererstes Kilo Tee. Ihr Anwesen bot von Natur aus die perfekten Bedingungen: tonhaltige und saure Böden, hohe Niederschlagsmengen und ein feuchtes Klima bildeten die ideale Umgebung für die Produktion von qualitativ herausragendem Tee.
Dass diese Fabrik als einzige überlebte, ist zu großen Teilen Jaime Hintze zu verdanken. Er war mit Angelina Gago da Câmara (einer Erbin der Gründerfamilie) verheiratet und revolutionierte die Fabrik durch die Einführung der Mechanisierung. Er beschaffte englische Maschinen der Firma Marshall, Sons & Company, die fortan das Rollen, Trocknen und Kalibrieren der Teeblätter übernahmen. Sein wohl wichtigster und weitsichtigster strategischer Schachzug war jedoch die clevere Nutzung der natürlichen Ressourcen vor Ort: Er ließ ein Mini-Wasserkraftwerk an dem Flusslauf erbauen, der das Grundstück durchquert. Diese technologische Innovation senkte die Produktionskosten drastisch und war der entscheidende Faktor, der es Gorreana ermöglichte, im Gegensatz zu allen anderen Fabriken wirtschaftlich zu überleben.
Heute ist Gorreana ein stolzes Überbleibsel dieser reichen Geschichte und produziert jährlich rund 40 Tonnen Tee auf einer Fläche von 37 Hektar. Ein besonderes Qualitätsmerkmal des Tees von den Azoren ist zudem, dass er völlig frei von chemischen Pestiziden angebaut wird, da in der isolierten Region keine Krankheiten oder Schädlinge vorkommen, die die Teeplantagen befallen könnten.
Die Fábrica de Chá Gorreana: Ein Leitfaden für Besucher der historischen Teeplantage
Wenn Sie die Azoren besuchen, ist ein Ausflug zur Fábrica de Chá Gorreana ein absolutes Muss für Teeliebhaber und Kulturinteressierte. Diese historische Anlage produziert seit 1883 ununterbrochen Tee und bietet Besuchern einen faszinierenden Einblick in die reiche landwirtschaftliche Tradition der Region.
Eine Reise in die Geschichte des Tees auf den Azoren Die Geschichte des Teeanbaus auf den Azoren begann im frühen 19. Jahrhundert, als die ersten Teesamen aus Brasilien auf die Inseln gebracht wurden. Um das Wissen über den Anbau zu vertiefen, gab ein chinesischer Teemeister namens Lau-a-Teng seine Expertise an die Einheimischen weiter. Die Fábrica de Chá Gorreana selbst wurde 1883 von Ermelinda Pacheco Gago da Câmara gegründet, die in diesem Jahr ihr erstes Kilo Tee produzierte.
Ein entscheidender Meilenstein in der Geschichte der Fabrik war die Einführung der Mechanisierung durch Jaime Hintze. Er stattete die Fabrik mit Maschinen der Firma Marshall, Sons & Company aus, die für das Rollen, Trocknen und Kalibrieren der Teeblätter verwendet wurden. Darüber hinaus installierte er ein Mini-Wasserkraftwerk an einem Bach auf dem Grundstück, was die Produktionskosten erheblich senkte und der Fabrik half, als einzige auf der Insel zu überleben, während alle anderen schließen mussten.
Einzigartiges Terroir und Chemikalienfreier Anbau Heute produziert Gorreana jährlich etwa 40 Tonnen Tee auf einer Fläche von 37 Hektar. Die Insel bietet ideale Bedingungen für die Pflanze Camellia sinensis: tonhaltige und saure Böden, hohe Niederschlagsmengen und ein feuchtes Klima.
Ein großer Vorteil dieser Plantagen ist ihre Naturbelassenheit. Da es in der Region keine Krankheiten oder Schädlinge gibt, die die Pflanzen bedrohen, wird der Tee völlig frei von chemischen Produkten angebaut. Diese herausragende Qualität mit ihrem delikaten Aroma weckt wachsendes Interesse in Exportländern wie Deutschland, Frankreich, den USA und Kanada.
Der Herstellungsprozess und die Teesorten Für die Produktion werden immer die Triebe mit den obersten drei Blättern gepflückt. Aus diesen Blättern stellt Gorreana verschiedene erstklassige Sorten her:
- Schwarztee (Chás Pretos): Für den schwarzen Tee welken die Blätter, werden gerollt, teilweise zerkleinert, an der Luft oxidiert und schließlich getrocknet. Zu den Hauptsorten gehören der Orange Pekoe (gewonnen aus dem ersten Blatt, mit weichem und aromatischem Geschmack), der Pekoe (aus dem zweiten Blatt, mit intensivem Geschmack) und der Broken Leaf (aus dem dritten Blatt, mit leichtem Geschmack und wenig Tein). Gorreana bietet auch Schwarzteemischungen wie Earl Grey (mit Bergamotte) oder Tee mit Pfefferminze an.
- Grüntee (Chás Verdes): Beim Grüntee werden die Blätter nach dem Welken mit Wasserdampf sterilisiert, um die Oxidation zu verhindern. Dadurch behält der Tee seine grüne Farbe und ist besonders reich an Tanninen und Antioxidantien. Bekannt ist die Sorte Hysson, die aus drei Blättern hergestellt wird, sowie Sorten, die nur aus dem ersten Blatt bestehen. Zudem gibt es Grüntee gemischt mit Jasmin, Ananas, Pfefferminze, Zitronenverbene (Lúcia-lima) oder Zitronengras (Erva Príncipe).
- Weitere Sorten: Das Sortiment umfasst auch weißen Tee, Oolong, Perlen-Tee und verschiedene Kräutertees (Tisanas).
Gesundheitliche Vorteile Tee ist nicht nur ein Genussmittel, sondern auch gut für die Gesundheit. Die Blätter der Camellia sinensis enthalten Polyphenole (Flavonoide), die als starke Antioxidantien wirken und der Zelldegeneration vorbeugen. Regelmäßiger Teekonsum kann die Verklumpung von Blutplättchen hemmen und so Herzinfarkten und Schlaganfällen vorbeugen. Zudem fördert Tee die Gesundheit des Atmungs- und Verdauungssystems.
Informationen für Ihren Besuch Die Fábrica de Chá Gorreana ist sehr besucherfreundlich und kann an jedem Tag der Woche besichtigt werden.
- Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 08:00 bis 18:00 Uhr sowie samstags und sonntags von 09:00 bis 18:00 Uhr.
- Besichtigungen der Fabrik: Wenn Sie den faszinierenden Herstellungsprozess live beobachten möchten, empfiehlt sich ein Besuch zwischen April und Oktober, da in dieser Zeit die Teeernte und die Verarbeitung stattfinden.
- Spaziergang durch die Plantagen: Sie können die wunderschönen Teeplantagen der Fabrik jederzeit frei erkunden.
- Kontakt: Für weitere Informationen können Sie die Fabrik unter www.gorreana.pt besuchen.
Adresse
Die Plantagen befinden sich in Gorreana, 9625-304 Maia.

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Der Produktionsprozess in der Fábrica de Chá Gorreana: Von der Pflanze bis in die Teetasse
Die Herstellung von Tee in der historischen Fábrica de Chá Gorreana auf den Azoren ist ein faszinierender Prozess, der aus ein und derselben Pflanze völlig unterschiedliche Geschmackserlebnisse erschafft. Grundsätzlich stammen alle Teesorten von der gleichen Pflanze (Camellia sinensis) oder ihren Hybriden ab. Der entscheidende Unterschied zwischen den verschiedenen Endprodukten liegt einzig und allein in der sorgfältigen Selektion der Blätter sowie in der anschließenden Verarbeitungsmethode.
Die Ernte: Strikte Auswahl von drei Blättern Der Produktionsprozess beginnt auf dem Feld mit der Ernte. Hierbei wird streng darauf geachtet, dass immer nur die jungen Triebe der Pflanze gepflückt werden, sobald sie exakt drei Blätter aufweisen. Aus diesen frisch geernteten Trieben werden später durch verschiedene, bewährte Methoden die Hauptteesorten der Fabrik hergestellt: Schwarztee, Grüntee und Oolong. Da die Blätter am Trieb ein unterschiedliches Alter und somit auch eine ganz unterschiedliche chemische Zusammensetzung besitzen, verleiht jedes der drei gepflückten Blätter dem fertigen Tee ein völlig individuelles Aroma und einen spezifischen Geschmack.
Die Herstellung von Schwarztee (Chá Preto)
Für die Produktion der charakteristischen Schwarztees durchlaufen die Blätter einen mehrstufigen, natürlichen Prozess:
- Welken und Rollen: Zunächst lässt man die frisch geernteten Blätter welken. Anschließend werden sie maschinell gerollt, wodurch sie teilweise zerdrückt werden und ihre Zellstruktur aufgebrochen wird. Für Prozesse wie das Rollen, Trocknen und Kalibrieren der Blätter werden seit der historischen Modernisierung der Fabrik spezielle Maschinen der englischen Firma Marshall, Sons & Company eingesetzt.
- Oxidation: Die gerollten und leicht zerdrückten Blätter werden daraufhin der Luft ausgesetzt. Dies setzt einen langsamen, natürlichen Oxidationsprozess in Gang, der dem Schwarztee seine dunkle Farbe und seinen typischen Geschmack verleiht.
- Trocknung: Sobald der gewünschte Oxidationsgrad erreicht ist, werden die Blätter abschließend getrocknet, um sie haltbar zu machen.
Je nachdem, welches der drei geernteten Blätter nach der Trocknung verwendet wird, entstehen beim Schwarztee unterschiedliche Qualitätsstufen:
- Orange Pekoe: Dieser Tee wird ausschließlich aus dem jüngsten, ersten Blatt der Pflanze gewonnen. Er zeichnet sich durch einen besonders weichen, leichten und hocharomatischen Geschmack aus.
- Pekoe: Für diese Sorte wird das zweite Blatt verarbeitet. Der Pekoe besticht durch ein sehr intensives Aroma und einen kräftigen Geschmack.
- Broken Leaf: Dieser Tee stammt aus dem älteren, dritten Blatt. Er hat ein eher leichtes Aroma und zeichnet sich dadurch aus, dass er besonders teinarm (koffeinarm) ist.
Darüber hinaus nutzt die Fabrik diese Schwarztees auch als Basis für beliebte Mischungen, wie beispielsweise Earl Grey, der mit Bergamotte aromatisiert wird, oder Kombinationen mit Pfefferminze.
Die Herstellung von Grüntee (Chá Verde)
Die Produktion von Grüntee unterscheidet sich in einem entscheidenden Schritt deutlich von der des Schwarztees – nämlich in der Unterbindung der Oxidation:
- Welken und Sterilisation: Auch beim Grüntee lässt man die Blätter zunächst welken. Danach werden sie jedoch umgehend mit heißem Wasserdampf sterilisiert.
- Oxidationsstopp: Diese schonende Dampfbehandlung verhindert, dass die Blätter nach dem anschließenden Rollvorgang (dem sogenannten Hysson-Verfahren) an der Luft oxidieren.
- Erhalt wertvoller Inhaltsstoffe: Da die Oxidation gezielt gestoppt wird, behält der Tee seine frische grüne Farbe. Zudem bleibt das Blatt auf diese Weise besonders reich an natürlichen Tanninen und gesundheitsfördernden Antioxidantien.
Auch beim Grüntee bietet Gorreana verschiedene Variationen an:
- Hysson: Dieser klassische Grüntee wird aus allen drei geernteten Blättern des Triebes zusammen produziert.
- Zudem gibt es einen speziellen Premium-Grüntee, der – ähnlich wie der Orange Pekoe beim Schwarztee – ausschließlich aus dem ersten Blatt hergestellt wird und dadurch besonders weich und aromatisch im Geschmack ist.
Das Sortiment wird durch aromatisierte Grüntees abgerundet, denen verschiedene natürliche Zutaten wie Jasmin, Pfefferminze, Ananas, Zitronenverbene (Lúcia-lima) oder Zitronengras (Erva Príncipe) beigemischt werden. Neben Schwarz- und Grüntee produziert die Fabrik auch noch weißen Tee, Perlen-Tee und Oolong sowie verschiedene Kräuteraufgüsse (Tisanas).
Wenn Sie diesen authentischen Produktionsprozess einmal mit eigenen Augen verfolgen möchten, bietet sich ein Besuch in der Fabrik an, die jeden Tag in der Woche für Besucher geöffnet ist. Besonders empfehlenswert ist jedoch eine Reise in der Zeit von April bis Oktober, da in diesen Monaten die eigentliche Teeernte stattfindet und Sie somit die einmalige Gelegenheit haben, den kompletten Verarbeitungsprozess der Blätter direkt in den Produktionshallen live mitzuerleben.